Es begann mit einem großen Sieg

Um zu verstehen, warum der VfB Stuttgart schon wieder einen neuen Trainer sucht, müssen wir gute zwei Jahre zurückblicken. Der momentane Niedergang des VfB hat seinen Ursprung in einem großen Sieg.

Samstag, 5. März 2016: Der VfB schießt die TSG Hoffenheim am 25. Spieltag mit 5:1 aus dem Stadion. Euphorie pur. Das eigentliche Ziel, nichts mit dem Abstieg zu tun haben zu wollen, wird über Bord geworfen. Das „schwierige Stuttgarter Umfeld“ träumt mal wieder von Europa. Danach spielt der VfB noch zweimal Unentschieden und verliert alle anderen Spiele mehr oder weniger sang- und klanglos. Ergebnis: Abstieg in die 2. Liga. Neben dilettantischen Maßnahmen vom damaligen Manager Robin Dutt sowie dem gelähmten Begleiten des Abstiegs durch Coach Jürgen Kramny, ist vor allem die Mentalität der Mannschaft schuld am Abstieg gewesen. Nach dem großartigen Sieg über Hoffenheim wähnten sich die Wasen-Kicker um Kapitän Christian Gentner in deutlich höheren Fußballersphären, als sie tatsächlich jemals sein würden. Wir sind zu gut, um abzusteigen. Das hat man bis kurz vor Saisonende gedacht. Und ebenso gespielt.

Nach dem Neuanfang in Liga 2, dem Überwinden eines chaotischen Starts mit der Entlassung von Luhukay, hatte man mit dem Duo Schindelmeiser/Wolf eine Zukunftsperspektive installiert. Einer Konstellation, die sympathisch und perspektivisch zugleich war, verzieh die Fanbasis auch den einen oder anderen Fehler. Zumal der VfB meistens ein Tor mehr erzielen konnte, als er hinten (oft vogelwild) kassierte. Alles ging gut. Ergebnis: Aufstieg, Euphorie, Glaube an eine gute Zukunft. Doch wieder zerstört ein großer Sieg die Hoffnung.

Freitag, 17. November 2017: Der VfB besiegt die – zugegeben – angeschlagene Borussia aus Dortmund mit großer Leidenschaft mit 2:1. Zum Teil begeisternder Fußball verklärt (wieder einmal) den Blick der Spieler für das wahre Leistungsvermögen ihres Teams. Zwar gewinnt der VfB danach noch den Rückrundenauftakt gegen Hertha BSC zu Hause mit 1:0. Doch dieser Sieg war glücklich und kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der VfB sich längst in einer Abwärtsspirale befand. Ergebnis: Zwei Niederlagen später trennt sich der Club von Trainer Hannes Wolf.

Wieder ist dem VfB die Wohlfühloase, die schon so oft erwähnt wurde, zum Verhängnis geworden. Ob aus Selbstüberschätzung oder anderen Gründen: Die Mannschaft hat nicht den notwendigen Einsatz im Abstiegskampf gezeigt, hat ihren Trainer im Regen stehen lassen. „Führungsspieler“ wie Kapitän Gentner müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie nicht alles für den Erfolg getan haben. Was könnte man einem Profisportler mit Millionengehalt schlimmeres vorwerfen?

Immer dann, wenn die Mannschaft ein deutliches Zeichen hätte setzen können, hat ihr die Führung des VfB ein Alibi verschafft. In Cannstatt hängen die VfB-Fahnen seit dem Rauswurf von Hannes Wolf einmal mehr auf Halbmast. Die Liste der vermeidbaren Fehler ist lang – und mit etwas weniger „Ich“ des VfB-Präsidenten Wolfgang Dietrich hätte sie nicht zum Abgang von Wolf führen müssen. Denn das erfolgreiche Duo Schindelmeiser/Wolf wurde a) zur Unzeit b) ohne Not und c) aus rein persönlichen Gründen getrennt. Dass mit Reschke in Sachen Außendarstellung kein Messias verpflichtet wurde, konnte jeder nach wenigen Auftritten bemerken. Auch, dass der Stuttgarter Weg ins Stocken geraten war. Es fehlte fortan der gemeinsame Strang. Oder wo ist der rote Faden der „Reschkerampe“ im Stuttgarter Weg wiederzufinden? Einem jungen Trainer nicht das nötige Personal an die Hand zu geben ist das eine, ihn öffentlich nicht zu stärken die finale Vollkatastrophe. Die, mit der Entlassung Wolfs, alles noch schlimmer macht – Das zeigen die Reaktionen im Umfeld. Und der Mannschaft das nächste Alibi verschafft.

Ob es an der Wohlfühloase liegt, ob es ein Mentalitätsproblem ist, oder nicht: Es begann mit einem großen Sieg. Leider.

 

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