VfB: Dein Bier bleibt befremdlich

Mit den Sponsoren im Profisport ist es immer so eine Sache. Nicht jedes Unternehmen passt den Fans in den Kram, aber wer ordentlich reinbuttert – zum Wohle des eigenen Vereins – kann sich zumindest der Duldung sicher sein. So läuft das normalerweise. In der Fußball-Bundesliga sieht es da schon etwas anders aus.

Mehrheitlich dominieren große Konzernbrauereien den Ausschank und das Sponsoring. Vor dem Heimspiel des VfB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt habe ich deshalb bei den Fans genauer hingehört.

Warum? Sowohl der VfB als auch die Eintracht werden von Krombacher unterstützt. Die Brauerei ist zweimal pro Saison in der Zwickmühle, kann bei den direkten Duellen nicht Partei ergreifen. Enttäuschend für den Fan. Ein Sponsor, der sich neutral verhält. Keine verbindende Grundlage, keine Identifikationsfläche.

Bereits zwei Stunden vor Anpfiff treffen sich viele Anhänger des VfB am Cannstatter Carré und bevölkern die Gastronomie der Umgebung. Einstimmen auf das Spiel, Fachsimpeln, für manche auch einfach Vorglühen. Man sieht Biere von Dinkelacker-Schwaben Bräu, auch von Stuttgarter Hofbräu. Vereinzelt ein Tannenzäpfle. Man sieht regionale Biermarken in den Händen der Fans. Die älteren VfBler trinken gern Pils, bei den jüngeren sieht man mehr Wulle. „Ich kann es einfach nicht verstehen. Dass man Bier aus Plastikbechern trinken muss, lasse ich mir bei so großen Menschenaufläufen gefallen. Aber irgend ein Bier. Das muss doch nicht sein. Wir sind doch alle Schwaben“, schimpft einer beim Bezahlen im Döner-Imbiss, als ich ihn auf sein Bier anspreche.

„Lieber jetzt noch schnell ein Stuttgarter Bier trinken, damit wir die Plörre im Stadion nicht trinken müssen“, sagt ein anderer VfB-Anhänger rund eine Stunde vor Anpfiff beim Betreten der Shell-Tankstelle unweit des Stadions, die vor den Heimspielen mit dem Bierdurst der Fans sehr gut Kasse macht.

Stuttgarter Bier wird vermisst. Die Fans, die von den Vereinen unter anderem mit regionaler Identität abgeholt und bei Laune gehalten werden, müssen ein überregionales Bier im Stadion trinken, das ihnen a) nicht schmeckt und b) nur ausgeschenkt wird, weil die Brauerei am meisten Geld dafür geboten hat.

Das mag betriebswirtschaftlich ja richtig sein. Aber im Kontext einer ganzheitlichen Philosophie – die es offensichtlich nicht gibt – wirkt es befremdlich. Und wird weiter befremdlich bleiben. Denn der VfB hat den Vertrag mit Krombacher verlängert. Schade.

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2 Gedanken zu “VfB: Dein Bier bleibt befremdlich

  1. Das ist ja alles schön und gut, aber zum
    1. schmeckt Krombacher definitiv besser als das Zeug von Dinkelacker und
    2. Zahlen sogenannte regionale Anbieter nicht nur weniger – deutlich weniger, sondern sie tun auch weniger für die Fans! Als Beispiel sei hier Hofmeister genannt, der sich seit Jahren weigert seine Werbeplätze in der Cannstatter Kurve für Fahnen der heimischen Fans freizugeben, natürlich kann er das, er zahlt ja, allerdings hat Krombacher sofort nach Anfrage 175 m Werbebande bezahlt und den Fans ohne Bedingungen zur Verfügung gestellt! Kein Verein der Welt – besonders der VfB- kann es sich leisten Geld zu verschenken! Prinzipiell trink ich auch lieber Hofbräu und Wulle aber alles andere ist pures Wunschdenken! Und ehrlich – das Gemotze der Leute will ich hören wenn wir freiwillig auf Geld verzichten- die gleichen Gestalten kaufen dann im Stadion immer noch nichts, weil es da so teuer ist – oder glaubt ihr was anderes ?

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    1. Heinz, das kann man so sehen. Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Du trinkst, was Dir schmeckt. Uns schmeckt Dinkelacker um Welten besser als Krombacher. Egal. Dass Krombacher als Sponsor auch außerhalb des Stadions Kundschaft gewinnen will und deshalb den Fans gegenüber positiv auftritt ist gut. Dagegen gibt es nichts zu sagen. Der Fehler liegt in unseren Augen ja auch nicht bei Krombacher, sondern beim VfB. Natürlich ist der Ansatz der ganzheitlichen Philosophie von uns nicht einfach umzusetzen. Aber wenn wir als Fans mit regionaler Identität geködert werden … dann freuen wir uns, wenn sich diese auch im Bier wiederfindet. Wer weiß, was mit der Ausgliederung in Zukunft alles möglich sein wird. Vielleicht kommt dann soviel mehr Geld rein, dass man beim Bier wieder auf regionale Marken setzen kann – auch wenn damit weniger verdient wird. „Bier in Stuttgart“ wünscht sich das. Und wir denken: Viele Fans des VfB auch. Nicht auszudenken, wie geil Wulle vom Fass im Stadion wäre …

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